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Weitere Aktionen im Offenbacher Klingspor Museum während der

"Langen Nacht der Museen"

   

            

           
    Schrift mit der Kettensäge, 2007 Liebeslyrik auf der Haut, 2008 Klingspor in Flammen, 2010 Klingspor on the Rocks, Ice-Carving, 2012   Klingspor träumt - Tapen, 2014

 

    "Night of the museums"        + Feuershow vom 3.9.2011      

 

Liebeslyrik auf der Haut 

zur Langen Nacht der Museen im Offenbacher Klingspor-Museum

am 26. April 2008

 

                             

Sinnliches Schreiben - "Lange Nacht der Museen 2008" im Offenbacher Klingspor Museum

26. April, von 21:00 bis ca. 23:00 Uhr

Nach der Aktion "Schrift mit der Kettensäge" im Vorjahr, freute ich mich, wieder gemeinsam mit Stefan Kindel zu einer langen Museumsnacht beitragen zu dürfen.

In diesem Jahr ging es ruhiger zu. Unter dem Motto "Klingspor geht auf/unter die Haut" beschrifteten Stefan Kindel und ich die Oberkörper zweier Modelle mit Liebeslyrik. 

Dualität war mir dabei ein wichtiger Aspekt. So war es mein Plan, dass die Worte einer weiblichen Dichterin von mir auf ein männliches Model, und Worte aus männlicher Feder sollten von einem Mann auf einen Frauenkörper geschrieben werden. So, wie die Liebe selbst Zeit zur Entfaltung braucht, sollte auch der Prozess der Beschriftung als ein zeitlicher erfahrbar sein.

 

 

 

 

 

 

Im Verlauf von zwei Stunden legten sich die Schriftzeichen und Liebestexte langsam auf die Körper, umfassten sie und veränderten sie in der Wahrnehmung. Nicht nur die Modelle empfanden sich nach der Beschriftung verwandelt, auch für die Zuschauer wurden die Körper zu etwas anderem. Schrift wirkte wie ein Gewebe, wie ein besonderes und verlockendes Kleidungsstück oder auch eine Maske. Sie schuf gleichzeitig Distanz und Nähe. Das Betrachten der Modelle hatte etwas sehr Respektvolles.  

 

 

 

Ich will der Tau deiner Frühe sein, deiner Abend Sehnsucht pochendes Amen.

Else Lasker-Schüler aus dem Gedicht “der Mönch“

Dann der Beginn eines Briefes der über 70jährigen Else an einen 30 Jahre jüngeren Wissenschaftler schrieb: "Ich küsse dich immer, ich küsse deine Hände, deine Schulter, deine Arme, deine Lenden, deinen Leib, deine Füße, liege nachts auf deinem Gesicht, das enthüllt mir alles. ..."  

 

 

 

Zu dieser Museumsnacht gibt es einen ausführlichen Dokumentationsfilm, den die Filmgruppe um Helga Meierkord und Werner Rump gedreht hat. Er kann über mich bezogen werden. 

Hier ein Video mit Ausschnitten aus dem Film von Helga Meierkord, bitte das Foto anklicken.

 

 

Viellieber Freund, ich ruh so selig hier:

Nie mehr erschein der Tag und Morgen mir.

Die schönste Frau der Welt halt ich umfangen, 

da läßt kein eifersüchtger Narr mich bangen 

– und nicht der hellste Morgen.

 

aus:

Reis glorios (Glorreicher König) von Giraut de Bornelh (ca. 1165-1200)

 
 

 

 

 

 
 

Offenbacher Post

Ich komme auf dieses Thema durch meine Arbeit im Museum für Weltkulturen, das 2006/07 die Ausstellung "Hautzeichen-Körperbilder" zeigte. Ich arbeitete während der Aufbauphase im Frühjahr 2006 einige intensive Wochen im Museum und schrieb die gesamten Ausstellungstexte an die Wände. (Siehe hier) Während der Arbeit konnte ich tief in die Thematik eintauchen und hatte viel Zeit, alleine mit den Exponaten und den Texten. Geblieben ist mir das Bewusstsein, dass Schrift auf Haut eine außerordentliche Bedeutung zukommt. Da diese Bedeutung im Bereich der Körper-Identität fällt, hat der aufgeklärte Mensch sie restlos negiert und in die Ecke von Schmutz und Kriminalität verbannt. 

Seit einigen Jahrzehnten schert sich die Subkultur einen Dreck um die gesellschaftliche Ächtung von Körperbeschriftung und macht das Tattoo als Akt der Verweigerung wieder aktuell. Inzwischen ist das Bildchen auf der Haut zum neckischen Modeaccessoire verkommen. Stars lassen sich chinesische Zeichen stechen, von denen sie nicht einmal die Bedeutung kennen - und laufen dann mit Nonsens am Knöchel oder im Nacken durch die Welt. Wieder einmal denke ich: Verdammt, Schrift kann mehr!                  

 

 

                 

 

 

Körperbemalung/-beschriftung reicht tiefer in die Seele hinab, als es die Schlagworte "Jugendkultur" und "Bodypainting" assoziieren. Durch die Bemalung seines Körpers versuchte der Mensch sich eine Verankerung in einer potentiell übermächtigen und furchtbaren Welt zu geben. Er positionierte sich damit auch gegenüber einer Gottheit - bekannte sich und stellte sich zugleich unter ihren Schutz. Dieser mystische Schutzschild verbarg seine Verletzlichkeit und verlieh ihm psychische Stärke. Körperbemalung integrierte somit den reflexionsbegabten und schrecklich einsamen Menschen auf sehr konkrete Weise in beiden Welten - der realen und transzendenten. Sie nahm ihm das Gefühl der Verlorenheit und Ausgesetztheit, verhalf dem Ich aber gleichzeitig zu der notwendigen Abgrenzung zum Anderen.
            Rundschau

 

Körperbemalung und Scarifizierung war immer ein bewusstes Statement, welches als Medium sozusagen das erste und letzte Mittel, nämlich den eigenen Körper nutzt. Dabei ist die Haut unser größtes und berührungs-sensibelstes Organ, unsere Membran zur Welt. Erster Ort des Schmerzes und des Wohlbefindens.

Besondere Bedeutung kommt natürlich Schrift auf dem Körper zu. Schrift als Medium des Schamanen - der Wortsinn kommt ins Spiel und alles wird noch viel komplizierter...

(Siehe "Gedanken zur Handschrift")

 

Es wäre doch schön, wenn wir einen anderen Weg fänden, mit Tätowierung usw. umzugehen. Weg von der larifari-Madonna-Konsum-Ästhetik, zurück zu den Ursprüngen der Körpermalerei, der Synthese und Befriedung von Ratio und Körper, spirituellen und ästhetischen Bedürfnissen.